Ein Ausflug in Kiel – Lost Places Ölberg

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Ausflug in Kiel

Moin und Ahoi ihr Entdecker. Nachdem wir neulich die alte Müllverbrennungsanlage in Kiel unsicher gemacht und diesen Lost Place erkundet haben, war ich, gelinde gesagt, angefixt. Also machte ich mich gleich auf die Suche nach ähnlichen Orten für einen Ausflug in Kiel und dem Umland und bin auf den Ölberg bei Mönkeberg gestoßen. Für die Suche nach Lost Places greife ich sehr gerne auf Google Maps zurück. Es ist beeindruckend, was sich hier mit ein bisschen Geduld und Fantasie alles finden lässt. Aber seht selbst:


1. Ausflug in Kiel – Die Geschichte des Lost Places Ölberg

Mönkeberg liegt am nördlichen Ende der Stadt Kiel, am östlichen Ufer der Förde und ist ziemlich schnell und leicht zu erreichen. Am besten lässt man vor Ort das Auto auf dem Parkplatz einer Kleingartenanlage stehen. Schon beim Aussteigen bekommt man fast den Eindruck, in einer anderen Welt gelandet zu sein.

Der Weg in den Wald
Im Wald

Die Geschichte des Ölbergs ist schnell erzählt. Kiel war im zweiten Weltkrieg ein wichtiger Stützpunkt der Marine, Standort mehrerer Werften, u.a. zum Bau von U-Booten, und Endpunkt des Nord-Ostsee Kanals. Natürlich mussten diese ganzen Schiffe auch mit Treibstoff und Öl versorgt werden. Und hier kam dann die Umgebung des Ölbergs ins Spiel.

Um das Jahr 1933 durch die Marine gekauft, wurde das Gebiet des Ölbergs schon bald bebaut und es entstanden im Laufe der Jahre 12 verschieden große, unterirdisch angelegte Tanks, die durch ein Pipelinesystem mit einem Pier zur Kieler Förde verbunden waren, um dort die Schiffe zu betanken. Umgekehrt konnten dadurch auch die Tankschiffe über die Pier, die untereinander verbundenen Tanks mit Treibstoff auffüllen.

Natürlich war die Umgebung auch ein strategisches Ziel der alliierten Bombenangriffe und so wurden die Tanks nach und nach verstärkt, ehe die Pier und die Tanks nach Kriegsende gesprengt wurden.

2. Der Ölberg heute – Eingewachsen und fast verwunschen

Heute ist von den alten Anlagen nicht mehr viel zu sehen. Einzig einer der zwei größeren Tanks liegt hinter einem Wall, geschützt durch Stacheldraht, versteckt im Unterholz. Hier hat sich die Natur nach und nach ihren Teil zurückgeholt. Wurzeln wachsen aus den Witterungsfugen, Stacheldraht verschwindet in der Erde und eine Kakophonie verschiedenster Vögel erwartet einen am Rande des riesigen Ringes. In der Mitte des mit Wasser gefüllten Tanks, der einem See gleicht, findet sich auch eine kleine Insel. Bewachsen mit Bäumen und Sträuchern. Die Ausmaße dieser Anlage sind so gewaltig, dass man die kreisrunde Form der Installation sogar noch über Google Maps deutlich erkennen kann.

Ausflug in Kiel
Der Tank vom Wall aus gesehen – Fast kein Durchkommen

Aus südlicher Richtung kann man den Tank mit ein wenig Kletterkunst und festem Schuhwerk auch ebenerdig erreichen. Einige Unverbesserliche haben die Umgebung als Lagerplatz für alte Elektromotoren und allerhand anderen Schrott missbraucht. Hat man sich erstmal dort vorbei gekämpft, steht man vor einigen verrosteten Bewährungen, einem kleinen, nicht betretbaren, verrotteten Steg und lässt sich von einer Entenfamilie lauthals mit ihrem, durch die hohen Wände verstärkten Geschnatter begrüßen. Tatsächlich ist man hier schnell beeindruckt, die Ausmaße zu sehen und zu verstehen. 

Der Tank

Weiter führt der Weg Richtung Förde durch den Wald. Abseits der ausgewiesenen Wege warnen Schilder davor, das Gebiet zu betreten. Der Grund dafür ist einfach erklärt, denn die gesprengten Bunker stellen auch heute noch eine gewisse Gefahr dar, da durch das Zuschütten der Anlagen der Boden noch immer nachsacken und so zur Falle werden kann. Solltet ihr also mit euren Kindern den Ölberg erkunden, empfiehlt es sich, sie aufmerksam im Blick zu behalten. 

Auch das Problem der Blindgänger aus den Bombenabwürfen spielt hier eine Rolle. Schätzungen zufolge verblieben 10% der Bomben aus circa 90 Bombenangriffen als Blindgänger im Boden. Leider wurden bei den Aufräumarbeiten nach Kriegsende die Funde nicht dokumentiert, sodass auch heute noch bei Erdarbeiten regelmäßig Blindgänger gefunden und entschärft werden.

3. Der Aussichtspunkt – Mit Blick über die Kieler Förde

Trotz allem sind die Wege zum Aussichtspunkt über der Förde sehr schön angelegt. Stufen führen an den Rand einer Mauer von der man einen wunderschönen Panoramablick über das Westufer von Kiel und den Marinehafen der Stadt hat. Rechts liegen die Boote der Marina Mönkeberg im Yachthafen und mit nur wenigen Schritten gelangt man direkt an den Strand.

Der Aussichtspunkt auf dem Ölberg

4. Ausflug in Kiel – In der Nähe des Ölbergs

Etwas südlich vom Ölberg befindet sich die Zufahrt zum Strand Hasselfelde. Gut, es wäre jetzt nicht meine erste Wahl, um hier aufgeheizt in die Förde zu hüpfen. Wenn man sich aber etwas nördlich orientiert und den Weg am Ufer entlang folgt, erkennt man auch hier die alten Überreste der Pieranlagen. Verziert mit unzähligen Graffiti und verwitterten Buhnen im Ufersaum. 

Am Hasselfelder Strand
One Love

Folgt man dem Weg, kommt man unweigerlich wieder am Ölberg vorbei, jedoch man kann auf dem Weg auch noch sehr viel weiter Richtung Norden spazieren. Und genau das werde ich beim nächsten Ausflug in Kiel tun.

Oder schaut doch auch mal auf meinen anderen Beiträgen über Norddeutschland vorbei.  Eine Wanderung im Schwentinental, Lost Places – Die alte Müllverbrennungsanlage in Kiel, Die Steilküste von Heiligenhafen – Eine Wanderung, oder Wandern in Eutin – oder ein Spaziergang mit der Familie

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