Samsø und die Wikinger

Samsø und die Wikinger

Na dann wollen wir im dritten Teil mal eines der großen Rätsel dieser Menschheit lösen. Viele Zuschriften erreichen mich auf postalischem Wege, ich möge doch mal bitte den Sachverhalt mit dem Wikingerboot im 2. Teil der Reihe aufklären. Den findet ihr übrigens hier. Selbstverständlich habe ich keine Kosten und Mühen gescheut um die Sache zu recherchieren. Also hier ist: "Samsø und die Wikinger"


Samsø und die Wikinger

Die Besiedelung der Insel lässt sich schon bis weit vor der Zeit der Wikinger belegen. Bis in die Steinzeit. Also so richtig lange her, wenn man den Zeitraum der Steinzeit vor Augen hat. Selbige ist natürlich noch unterteilt in etliche Untersteinzeiten. Etwas später, wir schreiben mittlerweile die Bronzezeit, begannen die Menschen auf der Insel ihre Verstorbenen ordentlich zu begraben. Links, rechts, Über dem Kopf und unter den Füßen jeweils einen Findling. Deckel drauf, die Waffen des Verstorbenen oder Werkzeuge wurden dazu gelegt, schon war das Hünengrab fertig. Vornehmlich im Süden finden sich etliche der Grabhügel aus dieser Zeit, stehen aber fast alle auf Privatbesitz. Das einzige, frei zugängliche Grab habe ich trotz intensiver Suche mit TR5 und TE4 leider nicht finden können.

Samsø und die Wikinger

Blick über die Sælvig Bucht im Westen. Hier sollte sich das Grab finden lassen. Trotz unserer Kletterei leider erfolglos.

So richtig Fahrt nimmt die Geschichte aber erst mit dem Auftauchen der Wikinger auf. Samsø wurde nicht nur von den Wikingern bewohnt. Die strategisch günstige Lage im Kattegat ließ Samsø zum Versammlungsort der Sportsfreunde aus dem Norden aufsteigen. Daher auch der Name, der leitet sich doch glatt vom dänischen Verb „samle“ für Versammeln ab und dem ø für Insel ab.

„Ja, aber jetzt komm doch mal auf den Punkt. Wir wissen immer noch nicht, warum das Wikingerboot da mitten auf der Insel in einer Pfütze liegt.“

Die Dörfer der Wikinger lagen auf der ostwärts gerichteten Seite der Insel. Am Stavns Fjord, ein ganz eigenes Archipel dessen Zugang durch ein Übersee-Steinriff geschützt wird. Das Riff und den Fjord besuchen wir noch zu einem späteren Zeitpunkt. Fakt ist aber, hier waren die Wikinger und ihre Boote vor den fiesen Weststürmen und Überfällen geschützt. Selbst in isländischen Sagen ist der Naturhafen im Fjord als „Bucht der Sehnsucht“ besungen wurden. Wollte man aber auf die andere Seite, mussten die Jungs erst sehr umständlich um die Insel herum segeln oder rudern. Und genau da kommt das Boot in der Pfütze ins Spiel.

Samsø und die Wikinger

Die Bucht der Sehnsucht aus der isländischen Sage

Um das Jahr 1960 herum sollte die Straße in die nördliche Ortschaft Nordby umgeleitet werden. Dabei stieß man bei den Bauarbeiten auf eine Art Kanal. Schnell wurde den Archäologen klar, dass dies keine natürliche Regenrinne, sondern ein von Menschen geschaffener Kanal war. Kohlenstoffanalysen datieren das Alter dieser Anlage auf das Jahr 800 n.Ch. +/- vernachlässigbare 100 Jahre. Diese „Kanhavekanal“ genannte Verbindung zwischen Ost und Westseite, an der mit 500 Metern schmalsten Stelle der Insel, machte die Wikinger sehr flexibel für Schiffsbewegungen. Mit 11 Metern Breite und einer Tiefe von knapp 1,25 Metern, konnten die Boote recht schnell auf die andere Seite gezogen werden. Die Seiten des Kanals waren zur Stabilisierung mit Eichenholz beplankt.
Mit dem Bau der Anlage war es nun möglich, die Seebewegungen auf beiden Seiten der Insel zu überwachen und somit einen großen Teil der Schiffsbewegungen im Kattegat. Und das war damals eine absolute Vormachtstellung.

Samsø und die Wikinger

Samsø und die Wikinger

Der rote Strich markiert den Kanal. Rechts davon befindet sich der Stavns Fjord. Links und rechterhand sind die Küsten von Jütland und Sjælland klar zu erkennen.

Über die Jahre verschwanden die Wikinger und der Kanal geriet in Vergessenheit, war aber noch deutlich in der Landschaft zu erkennen. Da erzählt die Legende von einer schwedischen Flotte, die im Stavns Fjord eingeschlossen lag und der einzige Ausgang von einer dänischen Flotte belagert wurde. Um dem Angriff der Dänen und der Zerstörung zu entgehen, wurden die Schweden kreativ. Zahlreiche Leute der Insel wurden in einer Nacht und Nebelaktion zwangsverpflichtet, um den alten Kanal zu reaktivieren. Auf diesem gelang den Schweden nun die Flucht auf die Westseite der Insel. Leider ist für diese Sage keine Zeit angegeben, aber wenn man heute am Kanal steht und in beide Richtungen schaut, der Wind durch die Bäume streift und keine Auto die Stimmung zunichte macht, dann kann man sie fast sehen und anfassen, die Wikinger, wie sie ihrer Boote unter lauten Befehlen Stück für Stück durch den Kanal zogen.

Ach ja, und solltet ihr mit euren Kindern an dieser Stelle stehen, dann lasst euch eine gute Legende zu den Wikingern einfallen. Bei uns ist es ein Ur-Ur-Ur-Ur……Urgroßvater meiner Frau namens Olav, der TR5 im Angesicht dieser historischen Stätte dazu brachte einen Moment innezuhalten, um die Geschichte des Ortes fühlen zu können.

Samsø und die Wikinger

Im nächsten Beitrag nehme ich euch dann mit in den Stavns Fjord. Morgens vor Sonnenaufgang und wenn ihr mögt, gehen wir auf dem Steinriff spazieren.

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