Nachts an der Ostsee - Die Milchstraße und die Lyriden

Nachts an der Ostsee

Hallo Moin, Reisen sind und bleiben bis auf unabsehbare Zeit eingeschränkt oder sogar ganz unmöglich. Ich denke da gerne an unsere Familienurlaube in Dänemark, die in diesem Jahr wohl ins Wasser fallen werden. Aber du arbeitest doch in Dänemark. Natürlich, aber das sind doch zwei verschiedene Paar Schuhe. Zeit sich wieder mal auf die Wurzeln zu besinnen und sich für Bilder im Umkreis des Wohnortes umzusehen. Der April bietet dafür einen spektakulären Nachthimmel und um diese Uhrzeit läuft man auch nicht Gefahr gegen Kontaktbeschränkungen zu verstoßen. Los geht’s.


1. Der Plan

Seit ich im letzten Frühjahr intensiv begonnen habe die Milchstraße zu fotografieren und mich auch mit entsprechendem Equipment ausgestattet habe, bin ich auch auf der Suche nach passenden Motiven, die einen entsprechenden Vordergrund für die Milchstraße abgeben könnten. Zum Glück sind wir hier oben an der Ostsee mit einer recht überschaubaren Lichtverschmutzung gesegnet und ich kann in klaren Nächten die Milchstraße mit bloßem Auge in meinem Garten sehen. Im April erstreckt sie sich in nordöstlicher Richtung über den Nachthimmel und ab 3 : 00Uhr morgens schiebt sich sogar das Zentrum über den Horizont.

2. Das Bild

Mein Wunschbild war die Farver Mühle in der Nähe des Weissenhäuser Strand zu fotografieren. Im letzten Jahr stand sie zu dieser Zeit tief im Raps aber in diesem April war ausnahmsweise mal Weizen angepflanzt. Ihr wisst schon, Monokultur und so. Der Wecker klingelte und aufgeregt machte ich mich auf die Fahrt durch die Nacht. Warum aufgeregt? Das Bild hat man ja schon länger im Kopf und so kurz vor dem Ziel kann noch so viel schiefgehen. Plötzliche Wolken, starker Wind oder sogar eine Lichtquelle die das ganze Bild zerstören könnte.

Die Milchstraße über der Farver Mühle

Ich hatte Glück und konnte über die Reifenspuren einer Landmaschine tief ins Feld eintauchen und dieses Bild der Milchstraße aufnehmen. Mitten in den Belichtungen wurde die Mühle durch das Fernlicht eines Autos angestrahlt. Erst verfluchte ich den Teufelskerl mit erhobenen Fäusten aber als ich zu Hause bei der Durchsicht die Bilder anschaute, war ich sofort begeistert. Als wäre sie in Licht getaucht. Danke unbekannter Lichtmaler.

3. Der zweite Spot

Meine Bilder waren im Kasten, da fiel mir ein weiterer Spot, nur ein paar Minuten Autofahrt weiter ein. Die Mündung des Oldenburger Graben beim Weissenhäuser Strand. Ein Pumpwerk zur Entwässerung mit Aussichtsplattform über dem Wasser könnte ein gutes Motiv abgeben. Gesagt, getan. Die Kamera stand und machte die ersten Bilder, da wollte ich mir den Schnürsenkel zu binden und es knackte gewaltig im Rücken. In der einsamen Stille hatte ich mit diesem furchterregenden Geräusch einige Vögel, ach was rede ich da, bei der Größe müssen es Flugdinosaurier gewesen sein, aufgeschreckt. Die Vögel wiederum lösten Bewegungsmelder der Ferienanlage aus und Sekunden später war der gesamte Graben in helles Licht getaucht.

Die Milchstraße über dem Oldenburger Graben

Aber was war das für ein Anblick, so kurz vor der Morgendämmerung? Der Nebel stieg mystisch über dem Wasser auf und auch hier brauchte ich mich über das störende Licht nicht zu ärgern und hatte noch genügend Zeit die Einstellungen meiner Kamera anzupassen.

Die Lichter über dem Oldenburger Graben

4. Der Andromeda Nebel

Leider war es dann schon so weit, die Morgendämmerung brach an und hoch im Nordosten über den ersten Strahlen des Tages, konnte ich sogar noch den Andromeda Nebel mit meinem Weitwinkelobjektiv ablichten. Für viele wird es einfach nur ein unscharfer Fleck sein aber hat man diesen Nebel einmal aufgespürt, läuft er einem immer wieder über den Weg.

Der Andromeda Nebel in der Morgendämmerung

5. Der Große Wagen

Apropos Weg, Zeit um nach Hause zu fahren, die Uhr zeigte schon weit nach vier Uhr morgens als ich kurz vor Großenbrode eine weitere vage Idee hatte. Den großen Wagen über dem ehemaligen Horchposten der Bundeswehr zu fotografieren. Heute beherbergt er eine Außenstelle des Meereszentrum auf Fehmarn und man kann den Turm sogar besteigen, um eine fantastische 360 Grad Rundum Sicht über die Halbinsel Wagrien zu haben. Jetzt war es aber Zeit für das Bett.

Der große Wagen

6. Die Lyriden

Die Lyriden sind ein Meteorstrom, der in jedem Frühjahr erneut zu sehen ist. Die Voraussetzungen in dieser Nacht zum 22. April 2020 waren einfach perfekt. Keine Wolken, Neumond und volle Kamera Akkus. Die Arbeit rief zwar am nächsten Morgen, aber eine solche Gelegenheit kann man sich nicht entgehen lassen. Gegen 2:00Uhr traf mich also mit einem Fotografenkollegen gleich vor dem Dorf und gemeinsam verfolgten wir das Spektakel am Himmel und ließen die Kameras heißlaufen. Ich habe alle Meteoritenspuren von denen ich glaube das es welche sind ausgewertet und in diesen Bildern festgehalten. Aber ich lasse mich auch gerne eines Besseren belehren.

Die Lyriden

Was für ein fantastischer und absolut erhabener Anblick. Nach circa 500 Bildern begann die Mordendämmerung und ich hatte gerade die Objektivdeckel auf die Kameras gesteckt, da flog die größte und schönste Sternschnuppe des ganzen Morgens vorbei. Man kann also nicht immer Glück haben.

Die Milchstraße und der Leuchtturm

Ganz zum Schluss habe ich aus all diesen Aufnahmen dieses Timelapse Video produziert. In dem kann man die Meteoriten sehr gut erkennen, da sie immer nur ganz kurz aufblinken und nicht wie Satelliten von einer Seite bis zur nächsten Bildseite wandern. Ganz besonders gegen Ende des Videos, da sehen wir wieder die Starlink Satelliten von Herrn Tesla. Aber darüber habe ich ja schin einmal in diesem Beitrag geschrieben.



Diese Woche der Nachtfotografie war wirklich episch. Im August, wenn die Nächte wieder länger werden, geht’s wieder los.

#NeverStopExploring
#NordischbyNature
#ostseeblogger



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