Von Geburtstagen, Wahlen, Helden und der gewonnen Fehmarn-Challenge

Geburtstagstisch

Hallo Freunde der gepflegten Blogschreibschrift. Lange nichts gehört. Meiner Frau beklagte ich schon meine Schreibblockade. Aber sie machte sich nur lustig darüber und nannte es eine „Blogade“. Ja, natürlich. Sehr witzig. Im Prinzip hatte ich einfach keine Zeit und keine zündende Idee, kein Thema, worüber ich schreiben könnte. Da dachte ich mir, wozu ein spezielles Thema. Bei uns passiert auch so genug.


1. Die Fehmarn Challenge

Dienstag letzte Woche war es soweit. Ich hatte Frühschicht und habe die Rückfahrt auf der Fähre dazu genutzt, um ein wenig vorzuschlafen. Das klappte, entgegen aller Raschler mit ihren eingepackten Butterbroten, recht gut. Ich hatte nämlich Großes vor. Der Rasen sollte mal wieder gemäht werden. Irgendwie bin ich davon abgekommen, jede Woche einmal zu mähen.
Wann der Breakpoint war, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls würde auch ein Herde Schafe nicht mehr helfen, das Unheil zu bekämpfen. Nur, dass ich zu Hause einen Anruf von JM12 bekam. Der Bus nach der Schule wäre nicht gekommen und er müsse so schnell wie möglich von Fehmarn aufs Festland, um am Konfirmanden-Unterricht teilzunehmen. Also bin ich - bester Vater der Welt - laut fluchend losgefahren. Den Unterricht haben wir mit quietschenden Reifen, pünktlich auf die Minute geschafft.
Abends musste ich noch einmal auf die Insel, um unsere Tochter LA18 von der Arbeit abzuholen.
Sie weigert sich immer noch mit Händen und Füßen, ihren Führerschein fertigzumachen.
Beim Abendessen traf ich zufällig meine Frau. Die erzählte mir, wie unser Sohn JM12 seinen Turnbeutel vergessen hatte und sie dieses besondere Stück auf die Insel gefahren hat. Jubelnd riss ich die Arme hoch und schrie: 3:1. YES.
Verständnislose Blicke von allen Seiten. Inklusive Anfahrt zur Arbeit bin ich dreimal auf die Insel gefahren, meine Frau nur einmal. Pech gehabt.


Fehmarn am Morgen

2. Der Kürbis

Im Frühjahr hatten wir uns eine wunderschöne Kürbispflanze für unseren Garten organisiert. Ich habe diese Pflanze geliebt und nächtelang vor gewalttätigen Schneckenangriffen im Dunkeln beschützt.
Gefangene schleimige Untiere wurden regelmäßig in hohem Bogen zurück zu den Nachbarn transportiert. Ich hatte die Vermutung, dass sie von dort ausschwärmen. Manchmal saßen wir da, mein Kürbis und ich. In einträchtigem Zusammenhalt. All seine Kürbisfreunde fielen den Schnecken zum Opfer, aber dieser wuchs und wurde sehr prachtvoll.
Als die Viecher ihn auch bald erreichten, erntete ich ihn und parkte ihn in der Küche. Ich dachte, wir könnten ewig so weitermachen, Gesichter schnitzen zu Halloween, in den Sonnenuntergang tanzen.
Bis zu dem Tag, an dem ich Gemüsepfanne mit Kürbis zur Arbeit mitbekam. Ich hatte gleich so ein komisches Gefühl. Es schmeckte gut, aber nicht richtig. Zu Hause dann der große Schock. Meine Frau erklärte mir, dass ich unseren Kürbis gegessen hätte! Nein, das kann nicht sein. Ich hätte ihn doch viel mehr genossen, wenn ich gewusst hätte, dass er es ist.

3. Soldaten an der Grenze

Auf meinem routinemäßigen Weg zur Kaffeemaschine auf Arbeit, stach mir die Headline der Bildzeitung ins Auge. Ich schrie noch vor Schmerz und versuchte wegzuschauen, aber es half nicht. Soldaten an der dänischen Grenze! OMG!
Das gibt’s doch gar nicht. Wollen die 5 Millionen Dänen jetzt bei uns einreiten oder wie soll ich den Kontext jetzt verstehen? Gerne bitte etwas genauer, liebe Bild Zeitung.
Fakt ist, dass die dänische Hjemmeværnet (Reservisten) die Polizei schon seit geraumer Zeit bei Grenzkontrollen unterstützt. Leider haben sich wohl dermaßen viele Überstunden bei Polizei und Hjemmeværnet angesammelt, das jetzt Soldaten ran müssen. Von einem Einmarsch sind wir aber weit entfernt. Scheinbar hat sich da ein Journalist der Zeitung im Angelurlaub aus Versehen an die Grenze verirrt.
Willkommen in Dänemark!

4. Der Held

Freitag war ich dann der große Held. Denn Freitags ist Fussballtag. Da stelle ich mich als Alleinunterhalter auf die örtliche Sportanlage und versuche den Zwergen beizubringen, wie man das Runde in das Eckige bekommt. Leider klappte das beim fünfjährigen Bo nicht ganz so gut.
Der Ball landete auf seiner Nase, die natürlich sofort zu bluten anfing. Erste Maßnahme meinerseits: den Ansturm der, mit Taschentüchern bewaffneten, Muttis erfolgreich abwehren.
Gefolgt vom Hinweis auf meine rettungsdienstliche Ausbildung und stoppen der Blutung.
Abends erzählte der kleine Bo seinem Vater: „Steffen weiß was zu tun ist, der hat fünf Kinder!“ Wow, das ging runter wie Öl. Wenn das nächsten Mal ein Kind bei uns vom Trampolin fällt, werde ich meine Frau darauf hinweisen. Apropos...

5. Das Trampolin

Nach dem fürchterlichen Unfall meiner Tochter auf dem Trampolin , wurde von meiner Frau sofort die Neuanschaffung eines Trampolins und die Verschrottung des Alten in die Wege geleitet. Mein „das ist doch noch gut“ wurde sofort abgeschmettert.
Ich versuchte mein Glück in einer örtlichen Flohmarktgruppe bei Facebook, um die Fahrt zum Schrottplatz zu vermeiden. Nach etlichen gescheiterten Verhandlungen, die mir nicht mal den Schrottpreis eingebracht hätten, fand sich ein freundlicher Mensch, der mir mein Trampolin für den aufgerufenen Preis abnehmen wollte. Samstag Morgen fuhr dann auch standesgemäß ein Traktor vor, um das Monstrum abzuholen. Sehr zur Freude meiner Kinder. Die finden alle Maschinen, die sich auf Äckern tummeln, wunderbar.
Das neue Trampolin haben wir auch sofort aufgebaut. Es dauerte zwar etwas länger, weil mir meine Kinder sicherheitsrelevante Teile permanent mit ihren Schubkarren wegfuhren, aber nach zwei Stunden war auch das neue Trampolin für einen vorschriftsmäßigen Gebrauch aufgebaut.

Unfall Trampolin

6. Der Geburtstag

Am Sonntag weckten mich meine Kinder uum Geburtstagsfest. Völlig irritiert schreckte ich hoch und überlegte welchen Geburtstag ich denn nun vergessen hatte. Achso, meinen eigenen zweiten Geburtstag. Wie ein alter Mann wurde ich an den gedeckten Geburtstagstisch geführt. Liebevoll war für mich eingedeckt. Ich liebe meine Kinder. Ich goss mir also aus der Zwergenkanne meinen Kaffee in meine Zwergentasse und hatte alle Mühe die Kerzen auf einmal auszupusten. Mein Käsebrot hat mir aber sehr gut geschmeckt. Ich liebe Käse! Ja, und meine Kinder.

Geburtstagstisch

7. Die Wahl

Am Sonntag war die lang angekündigte Wahl zum Bundestag. Das Ergebnis war ja etwas vorauszusehen. Ich entschied mich also gegen eine dramatische Live-Verfolgung in einer örtlichen Sportsbar und verbrachte den Tag lieber mit meiner Familie. Meine Oma und mein Opa hatten sich für einen spontanen Besuch angekündigt und die Zwerge haben sich riesig gefreut. Erst am Abend bekam ich die vorläufigen Wahlergebnisse präsentiert.
Ich war, gelinde gesagt, entsetzt! Die „Magdeburger Gartenpartei“ hatte den Einzug in den deutschen Bundestag nicht geschafft? Wieso das denn nicht? Wegen der zu erwartenden Prozentzahlen der AFD vielleicht? 12,6%? Schnell überschlug ich grob im Kopf die Anzahl unserer Familienmitglieder und musste mit Entsetzen feststellen, dass rechnerisch ein Familienmitglied die Partei gewählt haben musste! Ein spontanes Antreten vor dem Haus und eine Befragung brachten leider keine Ergebnisse. Es wurde auf das Wahlgeheimnis hingewiesen. Außerdem wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass aktuell drei Familienmitglieder noch gar nicht wahlberechtigt sind.
Na dann, noch mal Glück gehabt. Den letzten Rest gab mir dann die Berichterstattung von Spiegel TV. Interviews zur Wahl im Swingerclub, nach einer GOA Party und einem enttäuschten Mann ohne Hoffnung, der sich mit allerlei Schimpfwörtern Luft machte. Mal ehrlich, seriöse Berichterstattung zwischen wilden Schleckereien und farbigen Kontaktlinsen, die den Drogenmissbrauch verdecken sollen, geht einfach nicht. Das hätte ich von einem anderen Revolverblatt erwartet aber doch nicht von einem seriösen Nachrichtenmagazin.


Wir wollen auf den Schock nächste Woche erstmal Kastanien sammeln gehen. Es sind eben die kleinen Dinge, die Kinder glücklich machen. Und was treibt ihr so?

Kastanien #NeverStopExploring
#NordischbyNature

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